Kystriksveien. Die 650 km lange Küstenstraße zwischen Steinkjer und Bodo, war das eigentliche Ziel unserer Norwegenreise. Sie zählt zu den schönsten Küstenstraßen der Welt. Gut 420 Kilometer führen direkt am Meer entlang. Um die Strecke ganz zu fahren, muss man acht Fähren nehmen. An Tankstellen oder auf den Fähren kann man sich kostenlos das überaus informative Reisehandbuch mitnehmen. Dieses erscheint jährlich neu und enthält alle notwendigen Infos über die Fähren, die Sehenswürdigkeiten, die Unterkünfte etc etc. 

Weitere Infos findet ihr hier: https://www.visitnorway.de/reiseziele/nordnorwegen/kystriksveien/

Ich muss gestehen, dass wir von den norwegischen Fähren auf dem Weg hier hoch so verwöhnt waren, dass wir die Fähren hier zum Inselhüpfen völlig falsch einschätzen. Hier gibt es einen Winter- und einen Sommerfahrplan. An manchen Tagen gibt es gar keine Fähre, die einen auf die nächste Insel bringt, so dass man nochmal zurückfahren müßte… Heißt also: ein wenig Planung ob und wann eine Fähre um diese Jahreszeit fährt, ist sinnvoll. Gefühlt waren wir bei über 20 Grad schon im Sommer angekommen-der Sommerfahrplan startet allerdings erst Mitte Juni 😂

Ein nützlicher Link für alle Fährverbindungen ist dieser: https://www.fergeruter.info/landkreis/nordland

1. Etappe: Von Steinkjer nach Vik

Eins ist klar: Der Kystriksveien nimmt Anlauf. Nach 2500 gefahren Kilometern erreichen wir um die Mittagszeit Steinkjer. Hier gehts los! Die Erwartungen sind hoch, die Ernüchterung setzt sofort ein…

Anstatt einem schönen, norwegischen Dorf ist Steinkjer recht industriell. Und auch wenn es unser Ziel war, den Kystriksveien hier zu starten, scheint es nicht das Ziel vieler anderer zu sein. Nicht ein einziges Schild deutet auf die Route hin. Wir folgen dem Navi, verlassen die E6, fahren auf die FV.17. Das wars. Kein Hinweisschild. Keinerlei Infotafel. Nicht einmal ein kleines Schild, das bisher an jeder Ecke Norwegens auf eine Attraktion hingedeutet hat. Einfach nur ein kleines Straßenschild mit der Nummer 17. Und genau so startet es auch. Nüchtern. Unspektakulär. Die 77 Kilometer bis Namos sind geprägt von Agrar- und Forstwirtschaft. Die Häuser, die auf unserer bisherigen Reise alle top gepflegt waren, wirken etwas heruntergekommen und vernachlässigt. Unsere Hoffnungen liegen nun auf Namos, doch auch hier ist die Umgebung nicht so einladend, als dass wir einen Abstecher in diese „Rock-City“ einlegen möchten…. Auch verpassen wir hier die Abzweigung nach Rorvik und folgen zu lange der 17… Läuft. 😂 Anstatt nun also gleich an der Küste entlang zu fahren kurven wir die 139 Kilometer durchs Inland bis nach Holm…. Zu unserer Erleichterung wir die Landschaft jedoch ab Hoylandet richtig schön! Zwar keine Küsste, dafür jedoch Seen, breite Flüsse, wundervolle Aussichten-und natürlich ein paar Wasserfälle.

Auf dem letzten Stück vor der Fähre von Holm nach Vennesund haben wir dann das Glück, hinter einem Wohnmobil herkurven. Ohne Möglichkeit zu überholen, denn die Straße ist zu eng. Wir sehen die Fähre im Hafen. Wir biegen auf das Hafengelände ab. Folgen der Spur Nummer 1-und die Fähre legt ab. Verpasst! Na super! Das heißt eine Stunde Wartezeit. In dem Moment springt aus dem Wohnmobil vor uns ein aufgeregter Schweizer raus. Ein bild, das man ja bei Schweizern nicht allzu oft erlebt. Zündet sich eine Zigarette an, kommt an unser Fenster gerannt und sag: „Wäre meine Frau schneller gefahren hätten wir die Fähre noch bekommen.“ Die Frau steigt dann auch sogleich aus und entschuldigt sich. Und schon wird die Wartezeit zu einer lustigen Begegnung mit zwei außerordentlich offenen und sympathischen Schweizern. 

Um 17 Uhr erreichen wir Vennesund und beschließen, das schöne Wetter noch ein wenig zu genießen. Wir steuern den Bjornvika Natursenter Camping an! Eine außerordentlich gute Wahl! Der Campingplatz ist atemberaubend. 

Weitere Infos findet ihr hier: https://melles.blog/nugget-reisen/norwegen/bjornvika-natursenter-camping/

2. Etappe: Von Vik über Vega nach Tjotta

Die zweite Etappe entschleunigte uns direkt am ersten Fährhafen. Von Horn aus hat man zwei Möglichkeiten: entweder man nimmt die Fähre nach Anndalsvag durch ein historisches Dorf oder die Fähre nach Vega zum UNESCO-Weltkulturerbe und zu den Eiderenten. Wir entschieden uns für Vega-den „Golden Umweg“ 😂

Auf dem Weg von Vik nach Horn kommt man an dem etwas größeren Örtchen Bronnoysund vorbei. Hier gibts viele Einkaufsmöglichkeiten. Leider ist der Ort nicht so hübsch. Einige große Kreuzfahrtschiffe legen hier einen Zwischenstopp ein… Ein extra Abstecher hierhin lohnt sich jedoch nicht. 

Wir hatten die erste Fahrt nach Vega verpasst und noch knapp 3 Stunden Wartezeit führ die Fähre nach Vega. Der Plan war, dort die längste Treppe Norwegens zu erklimmen. Die rund 2000 Stufen bringen den Wanderer auf eine schöne Aussichtsplattform. Danach eine Übernachtung auf der Insel, ein paar Enten beobachten und dann weiter… Doch: wir sind noch im Winterfahrplan. Heißt: am nächsten Tag fährt keine Fähre nach Trotta. Nur zurück nach Horn. Oder einen Tag später, so dass wir einen zusätzlichen Tag auf Vega hätten…. Wir kamen um 14:30 Uhr auf Vega an. Nach einer kurzen Runde über die Insel, einem Abstecher zum Campingplatz und einem Besuch am Weltkulturerbezentrum beschlossen wir, die 17 Uhr Fähre nach Tjotta zu nehmen und dort zu übernachten. Eine gute Entscheidung. 

Vega ist eine wunderschöne, kleine Insel. Sehr ursprünglich. Überall hört und sieht man die Eiderenten. Diese sind berühmt für ihre Daunenfedern, daher der Status des Weltkulturerbes. 

Vaga hat einen ganz besonderen Charme. Viele Seen, hohe, schneebedeckte Berge im Hintergrund. Viele enge Straßen, die durch niedrige Birkenhaine führen. Kleine Häfen. Kleine Brücken. Sobald man Tjotta erreicht verändert sich das Landschaftsbild wieder. Die Fähre bringt einen an unzähligen Schären vorbei. Von Tjotta zum Campingplatz staunt man wieder einmal nur, wie schnell sich die Landschaft hier verändert. Traumhaft schön!!!

Wir übernachten auf dem Offersoy Campingplatz. Weitere Infos findet ihr hier: https://melles.blog/nugget-reisen/norwegen/offersoy-camping/

3. Etappe

Fällt aus…. Das norwegische Kartenzahlungssystem ist an diesem morgen in ganz Norwegen zusammengebrochen, wir haben keine Kronen dabei und sitzen dadurch fest… Allerdings ist dies ein wundervoller Platz zum Stranden. Perfektes Wetter für einen Ruhetag! Mit einem fantastischen, netten und extrem hilfsbereiten Campingplatzbesitzer! Und-wir hatten eine Weste in der Waschküche vergessen, die nun zu uns zurückgefunden hat 😂

Norwegisches Kartenzahlungssystem bricht zusammen…

3. Etappe, 2. Anlauf

Der letzte schöne Tag, bevor für die nächste Woche 100% Regen vorausgesagt wird… Wir wollen mit der Fähre nach Heroy übersetzen und dann über die Brücke auf die Nachbarinsel Donna fahren. Beide Inseln sollen landschaftlich extrem unterschiedlich aber wunderschön sein. Auf Donna gibts eine kleine Schokoladenfabrik, die man besuchen kann. Anschließend wollen wir übersetzen auf die Insel Lotta. hier gibt es einen ganz kleinen Campingplatz-für einen großen ist auf dieser Mini-Insel wohl kein Platz. Soweit der Plan. 

Wir fahren zum Fährhafen in Sovik-und warten. Um 10:10 Uhr soll die Fähre gehen, doch entgegen unserer bisherigen Fährerfahunrgen in Norwegen kommt keine. Ein netter Norweger kommt 10 Minuten später zu uns und erklärt, dass eine Fähre komplett ausgefallen sei und die nächste erst in einer Stunde fahre…. Gut, dann eben Kaffee kochen und noch kurz warten.

Und dann sehen wir, dass aus dem Kühler Wasser läuft. Eine riesige Pfütze ist unter dem Camper. Eigentlich gab uns die Werkstatt das OK, dass alles repariert sei und wir fahren können…. Super. Also auf zur nächsten Fordwerkstatt. Gut eine Fahrstunde entfernt. Im Landesinneren in Mosjoen. 

Mosjoen

Im Prinzip lassen wir mit der Fahr nach Mosjoen „nur die Inseln“ aus, folgen aber weiter der Fv.17. Eine wunderschöne Strecke. Mosjoen liegt direkt an einem Fjord. Ein nettes, kleines Städtchen. 

Wir erreichen die Fordwerkstatt und viertel vor 12. Mittagspause bis 12 Uhr. Ok, dann noch kurz warten. Um Punkt 12 kommen Plätzchen 6 andere Kunden rein und von der anderen Seite 5 hoch motivierte, freundliche Angestellte. Wir im Bienenstock gehts auf einmal zu! Wir werden direkt bedient, es wird ein Blick auf den Kühler geworfen und schon ist klar, dass wir nun erstmal freie Zeit haben. Gegen 14 Uhr könne sich jemand das Auto anschauen. Wir könnten in der Zwischenzeit die „Trappa“ gehen. Gut, dann auf zur Trappa 😂

 

Helgelandstrappa (Mosjoen)

Die Helgelandstrappa liegt direkt am Lachs-Fluss Vefsna. Bevor man die Stufen erreicht, wird für die Zipline geworben. Wir erreichen die ersten Stufen und sind bereits beeindruckt. Der Eingang ist sehr nett gestaltet. Die rund 4000 Stufen wurden von Sherpas aus Nepal angelegt. Innerhalb kürzester Zeit erklimmt man über 800 hm. 

Weitere Infos findet ihr hier: https://www.visitnorway.de/listings/helgelandstrappa-helgeland-steps/211034/

Nach knapp 100 Höhenmetern klingelt das Telefon. Die Werkstatt. Sie haben das Auto gecheckt, jedoch kein Ersatzteil vor Ort. Montag ist Feiertag. Eine Weiterfahrt wird nicht empfohlen. 

Wir brauchen einen Moment, bevor wir entscheiden, an dieser Stelle den Rückweg anzutreten. Der Kühler macht Probleme. Eine Woche Regenwetter ist für Norwegen vorausgesagt. Und wir haben seit der Hinfahrt durch Dänemark einen Steinschlag, der sich langsam aber kontinuierlich über die Frontscheibe zieht. Drei Gründe, nach Hause z zu fahren. Fährverbindungen von hier oben machen alle wenig Sinn. Unsere Fähre ist eigentlich erst in einer Woche gebucht, doch dies mit einem langen Fahrtag von Dänemark nach Hause geplant…. Wir entscheiden uns, ab nun die Route über Schweden zu nehmen. 

Rückweg über die E6

Wir hatten uns so sehr auf den Kystriksveien fixiert, dass wir gar nicht im Bewusstsein hatten, wie schön die Hauptroute nach Norden ist! Ein absoluter Traum!! Wieder einmal Kanada-Feeling vom Feinsten. Die Gegend ist unbeschreiblich!!! Von Nordland aus gehts durch die Region von Trondelag. Auch hier leben einige der rund 140 Braunbären Norwegens. Gesehen haben wir keinen. Doch wäre ich ein Braunbär, würde ich mich in dieser Landschaft auch wohl fühlen. Fantastisch. Seen. Breite Flüsse. Wälder. Und endlich, nach über 3000 gefahrenen Kilometern, sehen wir Rentiere. Direkt an der Straße! Ich bin begeistert! Jetzt kanns nach Hause gehen 🙃

An diesem Tag folgen wir der R6 weiter bis kurz vor Trondheim. Wir übernachten nochmals auf dem Campingplatz Korsnes. Und zum zweiten Mal in diesem Urlaub findet etwas zu uns zurück-der Haken für die Hundeleine liegt direkt neben unserem Stellplatz, den wir einige Tage zuvor schonmal hatten 😂 Sollte wohl so sein… 

Nun, auch wenn es traurig und ärgerlich ist, dass wir den Kystriksveien nicht wie geplant fahren konnten-die Eindrücke waren unglaublich! Und sicher ist, dass wir irgendwann wieder einen Anlauf starten werden, um die ganzen kleinen Inseln zu erkunden. 

Lohnt sich der Kystriksveien! Ich denke ja!! Auf jeden Fall. Die Region ist noch sehr ursprünglich und nicht so überlaufen wie die Lofoten. Ein absoluter Traum! 

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