……eine Beurteilung in alle Richtungen.

Zuerst möchte ich darauf eingehen, was Body Shaming ist.

Body Shaming ist eine Beurteilung aufgrund des körperlichen Erscheinungsbildes. Es ist schnell eine Beleidigung oder gar Diskriminierung. Und es betrifft nicht nur Menschen, die der heutigen Norm, geprägt durch Medien und der Modewelt, nicht entsprechen. Es kann alle betreffen. Größten teils betrifft es jedoch ganz offen den weiblichen Körper. Der weibliche Körper wird dem Anschein nach immer wieder beurteilt, bewertet oder gar herablassend kommentiert.

Body Shaming betrifft nicht nur „dickere“ Menschen, sondern auch dünne, alte oder behinderte Körper.

Zudem wird inzwischen der Körperumfang nicht mehr als ein Zustand beschrieben sondern assoziiert mit Eigenschaften wie; faul, ungepflegt, krank, disziplinlos, hässlich, magersüchtig, depressiv und noch vielem mehr.

Es wird retuschiert, um makellos, schlank und jung gezeigt zu werden.

Was das jedoch in uns auslösen kann sind; ein geringes Selbstwertgefühl, ständiger Stress auf die Figur zu achten um ein „Du siehst gut aus“ zu hören.

Wenn ich überlege wie oft sich immer mal wieder meine Figur geändert hat. Ich war nie Übergewichtig, doch einige Phasen gab es bei mir, um einen direkten Vergleich hier bringen zu können.

Wenn ich an meine frühen Zwanziger zurück denke, als ich täglich Sport betrieb, kamen nur sexistische Kommentare, die alles andere als angenehm waren.

Bis Anfang meiner Dreißiger war ich ausschließlich sehr schlank und trug eine Jeansgröße 25 was ungefähr der Konfektionsgröße 34/36 entsprach.

Auch da hieß es sehr oft, wie dürr ich sei, ob ich genug zu essen zu Hause habe usw.…

Und dazu muss ich sagen, habe ich täglich Schokolade und Süßigkeiten gegessen und nicht aufs Essen oder eine Form einer Ernährung geachtet.

Dazwischen hatte ich mal zugenommen, als ich aufhörte mit dem Rauchen. Ich wurde als Moppelig bezeichnet. Ich trug Konfektionsgröße 38.

Letztes Jahr führte ich eine Diät durch, weil ich selbst unzufrieden war und mich schämte. Ich nahm wieder ab.

Heute, während ich diese Zeilen schreibe, wiege ich inzwischen wieder 7 Kilo mehr und trage Konfektionsgröße 38.

Doch dieses Mal bin ich an einem Punkt wo ich mich im Spiegel betrachte, auch mit den neuen Fettpölsterchen, und es mir gefällt.

Klar, fester könnte diese eine oder andere Stelle sein, doch ist das mit Bewegung umsetzbar.

Doch wie reagiert die Außenwelt. ….

„Oh du hast ja ganz schön zugelegt.“

„Ist alles ok bei dir?“

„Vorher hast du mir besser gefallen.“

„Deine Beine sind schon ganz schön kräftig geworden.“

„Dir schmeckt es wohl so gut?“

Und ich denke mir, was ist nur Los. Ich bin eine Frau mit 37 Jahren. Ich sehe nicht mehr wie mit 18 Jahren aus. Mir hatte sogar mal eine Frau gesagt, mein Gesicht sei ein Pfannkuchen-Gesicht…so sehe es aus.

Gegen meine Gesichtsform kann ich nun nichts. Und solche Bemerkungen haben nur dazu bewirkt, dass ich mich lange nicht hübsch fand, vorallem mein Gesicht.

Und dabei sind es Sätze die einfach mal so flacksig dazwischen geworfen werden. Und wie schon geschrieben, es geht in alle Richtungen. War ich schlank, war ich richtig dünn. Wiege ich mehr, bin ich ganz schön kräftig.

Was ist nur los?

Ich hatte im Dezember und Januar einen Todesfall. Seit dem habe ich mich mit einer Ernährungsform nicht mehr gestresst. Ich habe nach langem mal wieder etwas gegessen, auf was ich verzichtet habe, um einer Norm zu entsprechen. Was für ein Blödsinn denke ich nun im Nachhinein. Warum ist es nicht erlaubt so zu sein wie man ist, mit Makeln die keine sind?

Warum muss ich diese eine besondere Figur haben um dem größeren Teil der Gesellschafft zu entsprechen?

Durch diesen Druck, den man ständig ausgesetzt ist, ist es doch klar, dass man sein eigenes Körpergefühl verliert. Zumindest ging es mir so.

Jetzt mit 7 Kilo mehr und auch Fettpölsterchen mehr, fühle ich mich Fraulich und dennoch schön.

Und warum steckt es NICHT im Menschen, jemanden der zugenommen hat zu sagen; „Du siehst gut aus, auch die paar Kilos mehr, stehen dir gut.“?

Sprich, selbst wenn es so ist, wird das nicht gesagt, sondern nur, das du zugenommen hast.

Momentan bin ich davon genervt. Es gibt mir manchmal das Gefühl, mich nicht gut finden zu dürfen.

Denn mit jeder Beurteilung, mit jeden komischen Blick bei Bekannten, denen du ansiehst, dass sie sich nicht trauen etwas zu sagen, bringt es ein schlechtes Gefühl.

Und damit appelliere ich nicht nur an die Männer, die gerne unüberlegt etwas dahin schmettern. Sondern auch an Frauen, die über andere Tratschen, wie dürr, drahtig, oder was für einen dicken Hinten er oder sie hat.

Du weißt nicht was mit dem Menschen ist. Ob krank, traurig oder sonstiges.

Es gibt Menschen, die sogar damit kämpfen um zu zunehmen und dies ebenfalls eine große Belastung ist. Oder kranke Menschen die gezwungen sind, sich einer Ernährungsform zu unterziehen.

Und aktuell möchte ich mir zum Beispiel nichts verbieten. Ich möchte meine Melone im Sommer essen, oder auch mal am Wochenende ein Stück Kuchen.

Dieses eine Leben was ich lebe, möchte ich nicht damit vergeuden um mir etwas zu verbieten, um anderen zu gefallen.

Und das macht Werbung/ Medien schon seit Jahren, bereits bevor es mich gab.

Es wird suggeriert, dass man nur schlank gut aussieht. Das man nur Jung schön sein kann. Das ein behinderter Mensch nicht schön ist.

Was das auslöst?

Unzählige Diäten und Essstörungen, Botox und Co. Schönheits-Ops sich zu unterziehen, mit der Gefahr nie wieder aufzuwachen. Es macht krank und depressiv und gibt im schlimmsten Fall das Gefühl nichts wert zu sein.

Bitte Hört auf damit. Lasst es zu, sich selbst zu lieben. Lasst es zu das auch andere sich wieder lieben können und wertet nicht zu schnell.

Bewerte nicht das Leben eines anderen, sondern nur dein eigenes.

Du bist schön, so wie Du bist.

Deine Melle